Schund aus Kindermund

Wie können Eltern auf Fluchen und Beleidigungen ihrer Kinder reagieren?

 

wenn Kinder fluchen

Als ich meinen „Wahlenkel“ oder mein „Tageskind“ oder wie auch immer man den Jungen bezeichnen möchte, den ich an einigen Tagen in der Woche nach der Kita betreue, gestern abholte, fluchte er fast den ganzen Weg nach Hause und auch zu Hause begann er damit erneut, nachdem die ersten Spiele gespielt und er abgelenkt gewesen war. Es waren keine harmlosen Wörter, so wie auch uns Erwachsenen manchmal ein „Scheiße“ rausrutscht, sondern Lukas benutzte dabei sehr beleidigende Begriffe und andere hässliche Wörter und das etliche Minuten am Stück. Für mich war absolut nicht ersichtlich, warum er das tat. Es war – zumindest in meiner Anwesenheit – nichts vorgefallen, das mich dies als Reaktion hätte verstehen lassen. Ich beobachtete ihn eine Weile und stellte fest, dass seine Gefühlslage dabei offenbar schwankte: mal schien er dabei in Rage zu geraten, mal war es eher wie ein permanentes Gemurmel.

Ignorieren

Normalerweise ignoriere ich Wutausbrüche, die mit unflätigen Worten einhergehen. Und das empfehle ich auch den Eltern immer wieder. Denn jede Art Reaktion bestätigt zunächst einmal unschönes Verhalten wie Fluchen, Beleidigen und ähnliches. Ganz gleich ob Sie lachen oder schimpfen – das Verhalten hat Wirkung gezeigt. Aber in dieser Situation konnte ich nur anders reagieren, weil ich zwei Dinge weiß:

  1. Lukas weiß, dass derart heftiges Fluchen unangemessen ist, er wird von seinen Eltern immer wieder deswegen gemaßregelt.
  2. Lukas bekommt von mir viel Aufmerksamkeit in ganz „normalen“ Situationen, also beim Spielen, Essen und Reden.

Der Gebrauch unflätiger Worte kann ein Ausdruck dafür sein, dass ein Kind Aufmerksamkeit will. Sie sollten es also möglichst genau beobachten und versuchen herauszufinden, warum Ihr Kind so redet. Bekommt es die gewünschte Aufmerksamkeit dadurch, wird es weiterhin fluchen und beleidigen.

Fragen

Dieses Mal entschloss ich mich nachzufragen: Hast du dich geärgert? Die Antwort war ebenso überraschend wie aufschlussreich. Er antwortete schlicht mit „Nein!“. Viel mehr war aber leider in diesem Moment nicht aus ihm herauszubekommen, irgendwie waren wir dann beide durch etwas anderes schnell abgelenkt. Aber seine Antwort beschäftigte mich. Warum fluchte Lukas, wenn er sich nicht einmal geärgert hatte.

Wie ich aus meiner Erfahrung als Erzieherin weiß, steckt dahinter oft der Drang, das nachzuahmen oder auszuprobieren, was das Kind von anderen gelernt hat. Kinder beobachten andere Kinder, werden selbst von ihnen beleidigt, hören aber auch, wie ihre Eltern reden, insbesondere dann, wenn sie sich unbeobachtet fühlen. Da Fluchen und Beleidigen mit heftigen Emotionen einhergeht, sowohl bei denen, die das „ausspucken“, als auch bei den Adressaten, ist es für Kinder umso interessanter die Reaktionen zu sehen. Sie spüren oder wissen sehr genau, wie grenzwertig ein solches Verhalten ist und testen mehr oder weniger bewusst ihre Grenzen. Vor allem lernen sie von den „Vorbildern“, wie sie damit Druck ablassen, Frust loswerden oder Rache ausüben. Alles Reaktionen, die gesellschaftlich nicht gerade als akzeptabel angesehen werden.

Die Situation mit Lukas war unmittelbar danach wieder normal. Und das mag auch an der Frage gelegen haben. Denn sie holt das Kind unmittelbar von der emotionalen Ebene auf eine sachliche. Ich begebe mich als Erwachsene nicht auf die aggressive Ebene des Kindes und lasse mich nicht provozieren, reagiere womöglich gar mit den gleichen Mitteln oder zeige mich als jemand, der sich von den Worten angegriffen fühlt. Nein, ich frage ganz schlicht und bringe das Kind so dazu über seine Beweggründe nachzudenken. Zumindest aber innezuhalten. Gleichzeitig zeige ich ihm, dass es mir nicht egal ist, wie es sich fühlt und biete ihm die Chance sich mir mit seinen Nöten anzuvertrauen. Denn das gilt es im Hinterkopf zu behalten: Steckt hinter der unangemessenen Verhaltensweise eine Not des Kindes, z. B. ist es selbst während der Kitazeit auf diese Weise angegriffen worden?

Manchen Eltern werden jetzt sofort Situationen einfallen, in denen sie garantiert nicht nachfragen würden, z. B. wenn ihr Kind aufräumen soll und deswegen wiederholt ermahnt wird. Wenn es dann zu fluchen beginnt, fragen Sie als Mutter oder Vater natürlich nicht „Hast du dich geärgert?“, weil sie wissen, dass Ihr Kind in diesem Moment einfach keine Lust zum Aufräumen hat. Eine solche Frage wäre dann reine Ironie und würde das Gegenteil dessen bewirken, was ich anregen möchte.

Kein Warum!

Dennoch wage ich es für diese Situation einen Vorschlag zu machen, der Sie wahrscheinlich im ersten Moment irritiert. Aber dazu gleich. Zunächst noch eine Anregung zum richtigen Fragen. Beginnen Sie Ihre Frage nicht mit „Warum“. Es nötigt ihr Kind zu sehr, verlangt nach einer umfassenden rationalen Antwort und hört sich in vielen Fällen eher anklagend an. Damit überfordern Sie Ihr Kind in der emotional aufgeladenen Situation.

Der Sinn der Frage liegt eher darin, dem Kind ein Angebot zu unterbreiten, das ihm eine schnelle und leichte Möglichkeit bietet, sich wieder auf die übliche Ebene der Konversation zu begeben. Allein schon die Frage „Hast du dich geärgert?“ zu bejahen, also eine positive Äußerung von sich zu geben, macht es fast unmöglich anschließend mit dem Fluchen fortzufahren. Wenn Sie es testen, werden Sie feststellen, dass die meisten Kinder danach sehr geneigt sind, von sich aus zu erklären, was sie so verärgert hat.

Bestätigen

Erscheint Ihnen die Frage unpassend, weil Sie selbst Auslöser oder Gegenstand des Ärgers sind (z. B., weil Sie verlangen, dass das Kind aufräumt), dann hilft Ihnen vielleicht der folgende Vorschlag: Statt zurückzuschießen bestätigen Sie das Kind in seiner Wut, seinem Ärger oder Frust. Das Gefühl anerkennen bedeutet nämlich nicht, dass Sie auch anerkennen, dass Ihr Kind ihm in unangemessener Weise Ausdruck verschafft.

Das muss ich erklären. In unserer Gesellschaft ist es vielfach ein Tabu, Gefühle wie Ärger, Wut, Hass, Neid, Eifersucht usw. zu zeigen. Aber diese Gefühle sind menschlich, wir alle haben sie und tun gut daran, sie anzunehmen, wenn sie uns nicht krank machen sollen. Nur leider lernen wir selten, wie wir sie auf angemessene Weise annehmen können. Wenn Sie als Eltern in einer solchen  Situation Ihrem Kind sagen: „Du bist aber wütend!“ oder „Das scheint dich aber jetzt mächtig zu ärgern.“, dann bieten sie ihm damit eine Hilfe an. Es lernt nämlich zunächst einmal, was das für ein unangenehmes Gefühl ist, von dem es gerade beherrscht wird. Sie, seine Mutter oder sein Vater, kennen es. Das können Sie ruhig dazu sagen: „Ja, ich kenne das. Als ich so alt war wie du, habe ich immer ganz wütend mit den Fäusten um mich geschlagen.“ Sie werden sehen, wie dankbar Ihr Kind sein wird, da es sich nicht nur verstanden fühlt, sondern gleichzeitig lernt, dass es nicht als einziger Mensch so „unmöglich“ ist, dass sogar die wichtigste und unantastbare Person seines Lebens, mit den gleichen Problemen gekämpft hat. Weiterhin lernt es, dass es sagen kann, wenn es wütend oder verärgert ist. Sie machen vor, wie man das Gefühl benennt. Und wie schon die alten Weisen wussten: Das Fürchterliche verliert seinen Schrecken, wenn es beim Namen genannt wird.

Vorbildverhalten

Es versteht sich von selbst, dass Sie kein Verhalten bei Ihrem Kind bestrafen sollten, dass Sie selbst an den Tag legen. Beobachten Sie sich also selbst. Wie reagieren Sie in Momenten, in denen Sie sich wütend, beleidigt, verärgert, gemobbt, frustriert fühlen? Welche Ausdrücke benutzen Sie? Gibt es vielleicht sogar Spontanausdrücke, die Sie akzeptieren können, wie z. B. „Mist“? Erklären Sie ihrer Familie: „Ich bin jetzt echt sauer“? Wenn nicht, hilft es vielleicht Ihnen und Ihrem Kind, akzeptable Sätze und Begriffe einzuführen, damit sich unangenehme Gefühle Luft verschaffen können und Ihr Kind von Ihnen lernen kann, angemessen zu reagieren.

Gemeinsam schimpfen

Können Sie mit den bisherigen Vorschlägen noch nichts anfangen, dann ist für Ihre Familie vielleicht das gemeinsame Dampfablassen der richtige Weg. Der eignet sich übrigens auch für Situationen, in denen überhaupt kein Ärger, keine Wut oder dergleichen Gefühle da sind, sondern Kinder einfach einen Heidenspass daran haben, die Erwachsenen mit Fäkalausdrücken zu schockieren und sich dabei halbtot lachen. Lassen Sie sich nicht schockieren, sondern stimmen Sie ein und geschickt um. Sie wollen beim gemeinsamen Schimpfen ja keine unflätigen Begriffe verwenden, die Sie gerade aus dem Mund Ihres Kindes so schockieren. Daher ist Fantasie gefragt. Fordern Sie Ihr Kind zur gemeinsamen Schimpfonade auf, bei der es darum geht, neue Schimpfwörter zu finden, die noch niemand je benutzt hat und die ohne Arsch*, Kacka*, Pipi* und dergleichen auskommen. Als Anregung mag dazu das Schimpfonade-Gedicht von Hans Adolf Halbey dienen:

Du sechsmal ums Salzfass gewickelter Heringsschwanz!
Du viermal im Mehlpott gepökelter Krengeldanz!
Kropfbeißer, Kratzknacker, du hinkende Maus!
Sumpfdotter, Putzklopper, du zwickende Laus!
’ne Heulbeule biste, verdrück dich mit Soße!
Und ich geb‘ dir Quark mit Musik auf die Hose!
Du Giftwanstfresser, ich puste dich weg!
Und ich hol‘ meinen Bruder, der spuckt mit Dreck …
Ihr Kinder, wir müssen nach Hause gehn!
Och Mutti, wir spielen doch grad so schön!

Spätestens, wenn Sie gemeinsam über die Wortkreationen lachen, ist der Fluch-Spuk vorüber.

Wie können Eltern ihren Kindern das Einschlafen erleichtern?

Kind kann nicht einschlafen

„Mama, ich kann nicht einschlafen.“ Die zehnjährige Joanna stand zum dritten Mal an diesem Abend in der Wohnzimmertür und es war nicht zu übersehen, wie  ihrer Mutter Andrea bei diesen Worten der Hals anschwoll und sie gleich platzen würde.

Das war im Dezember 2011, als ich mehrere Wochen bei einer Kollegin und allein erziehenden Mutter einer Tochter in Düsseldorf zubrachte. Dankbar für die unkomplizierte und äußerst gastfreundliche Aufnahme in ihrem Haus, wollte ich mich gerne revanchieren und sah meine Chance gekommen, als sich das Drama zwischen den beiden allabendlich vor meinen Augen wiederholte. Sie hatten ein hartes Jahr hinter sich: mehrere Todesfälle und Querelen in der Familie, finanzielle Sorgen und schulische Probleme. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie das an den Nerven einer Alleinerziehenden zehrt. Also bot ich an, Joanna beim Schlafengehen zu begleiten und beide nahmen dankbar an.

Vorbereitung durch gezielte Atmung und autogenes Training

Dies war der Beginn einer neuen wundervollen Entwicklung – und zwar nicht nur für Joanna, sondern auch für mich. Meine beruflichen Wege – über inzwischen mehr als 30 Jahre – hatten mich von der Ausbildung und Tätigkeit als Erzieherin, über ein Philosophie- und Germanistikstudium zum namibischen Radio geführt, wo ich vier Jahre lang Kinder- und Literatursendungen entwickelte und moderierte. Gleichzeitig begann ich mit dem Schreiben, das bis heute den Schwerpunkt meiner Arbeit bildet. Nach einigen Jahren in einer Bonner Agentur für Film, Funk und Fernsehen habe ich mich 2006 selbstständig gemacht und arbeite seitdem als Autorin, Ghostwriter, Texterin, Sprecherin, Hörbuchproduzentin und Verlegerin. Immer wieder Neues zu wagen, zu meditieren und Geschichten zu erzählen – das alles ist für mich wesentlicher Teil meines spirituellen Lebens, das ich in diesen Wochen mit Joanna teilte.

Ich beobachtete, dass das Mädchen „falsch“ atmete, ihr Bauch wurde flach beim Einatmen und wölbte sich beim Ausatmen. Ich zeigte ihr, wie sie richtig atmet und bat sie, immer wieder im Laufe eines Tages ihre Aufmerksamkeit darauf zu richten und für ein paar Sekunden bewusst richtig – also genau umgekehrt – zu atmen. Sie war glücklicherweise mir gegenüber sehr aufgeschlossen und ließ sich auf alles ein. Das erste Mal, als ich dann an Joannas Bett saß, bemerkte ich ihre kalten Hände und Füße. Ich begann mit kleinen Atemübungen im Liegen und Übungen aus dem autogenen Training, bei denen sich die Aufmerksamkeit nach und nach auf alle Körperteile richtet und ein wohliges und warmes Gefühl den Körper durchströmt. Für alle, die es ohne viel Training oder Workshopbesuche ausprobieren wollen, reicht es schon mit dem Beispielsatz „Ein wohliges Gefühl strömt durch deinen Körper, zuerst in die Oberarme, dann in die Unterarme und jetzt in die Hand.“ weiterzuarbeiten. Dann kann man ihn langsam und mit Pausen gesprochen auf alle Körperteile anwenden. Das Kind liegt dabei mit geschlossenen Augen auf dem Bett und überlässt sich dieser Vorstellung. Allein durch diese wenige Minuten dauernde Übung wurde Joanna sichtlich entspannter und ruhiger, die Gliedmaßen waren anschließend warm und gut durchblutet.

Ort der Geborgenheit

Aus der Geborgenheit heraus auf individuelle Fantasiereise gehen

Jetzt war der Boden vorbereitet, um sie in eine Meditation in Form einer Fantasiereise zu führen. Entscheidend dabei ist zunächst ein Bild von einem Ort zu erzeugen, in dem „der Reisende“ absolute Ruhe, Frieden und Glück empfindet. Was bietet sich da mehr an, als die Natur. Da es ein vollkommen persönlicher Ort ist, darf der Führende diese Natur nicht konkret ausmalen, sondern muss der Fantasie größtmöglichen Spielraum geben, ihn selbst zu erschaffen. Das gelingt mit allgemeinen Begriffen wie schön, wundervoll, harmonisch, friedlich usw. So kann das meditierende Kind ein Gefühl der allumfassenden Geborgenheit in der ihm eigenen Natur entwickeln. Dies bildet die Basis auf der eine Weiterreise in der Fantasie möglich wird.

Über die Wirkung von Visualisierungen auf Körper und Geist, über die Bedeutung des Schlafes für die Erinnerung an Positives und für die Verfestigung von Lerninhalten gibt es im Übrigen eine Vielzahl von Studien. Demnach sind Imaginationen ebenso wirksam wie tatsächlich durchgeführte Handlungen. Diese Erkenntnis kann man sich in Fantasiereisen zunutze machen.

Im Laufe der Zeit, die ich mit Joanna und Andrea verbrachte, erfand ich mehrere Fantasiereisen. Joanna – und später noch andere Kinder – halfen mir, die Geschichten weiter zu entwickeln, selbst als ich schon längst nicht mehr in ihrem Haus wohnte. Es war das schönste Geschenk für mich mit anzuschauen, wie schon nach kurzer Zeit die Einschlafprobleme verschwanden und Joanna sichtlich entspannter und in der Schule besser wurde. Der Schritt von Joannas Bett ins Tonstudio kam für mich fast zwangsläufig, denn ich hatte zuvor schon einige Male geführte Meditationen aufgenommen. Die Ergebnisse stellten mich jedoch erst jetzt wirklich zufrieden. Die Anforderungen an eine wirksam geführte Meditation fast diametral den Anforderungen an gutes Geschichtenerzählen entgegengesetzt. Der meditative Zustand lässt sich besser herbeiführen, wenn bestimmte Worte gesteigert und wiederholt werden, z. B. „Du wirst immer ruhiger und ruhiger. Ein tiefer Friede breitet sich in dir aus. Du spürst ihn immer tiefer und tiefer.“

Die Gute-Nacht-Meditationen für Kinder, die seit den Abenden mit Joanna in meinem Verlag atemwort erschienen sind, folgen alle einer Struktur: Nach den schon beschriebenen Schritten kommt ein Moment, wo das Kind Situationen des vergangenen Tages oder wiederkehrende belastende Erlebnisse aus der sicheren Distanz des Beobachters betrachten und auf kindgerechte, bildhafte Weise verabschieden kann, zum Beispiel indem es die Bilder des Tages an den Schwanz eines Drachen bindet und ihn fliegen lässt. So befreit kann es sich voll Vertrauen den folgenden kraftvollen und schönen Bildern überlassen, deren wohltuende Wirkung sich entfalten und im Schlaf vertiefen kann.

Zuhören und reden ohne zu urteilen

Viele Eltern führen auch ohne autogenes Training oder Meditation ein Gespräch mit ihren Kindern vor dem Einschlafen, in dem sie die Ereignisse des Tages reflektieren. Ein wichtiger Moment, der Kindern hilft, das Erlebte zu verarbeiten. Das gelingt umso besser, je mehr Geborgenheit sie in dieser Situation erfahren, also auch keine Angst haben müssen, etwas zu erzählen, weil sie ahnen, dass Vater oder Mutter dies nicht gutheißen würden. Eltern sind daher  gut beraten, wenn sie an dieser Stelle einmal auf das Urteilen und Verurteilen, das Werten und Bewerten verzichten. Vielmehr sollte stattdessen folgender Gedanke, insbesondere bei belastenden Ereignissen im Vordergrund stehen: „Du kannst das alles jetzt aus der sicheren Distanz des Beobachters anschauen. Es ist vorbei!“ Umgekehrt nämlich machen sich Kinder auch nach dem Gespräch noch viele Gedanken, wenn Eltern zu stark bewerten. „Ist mein Freund böse? Ich hätte mich anders verhalten sollen. Was werden die anderen morgen sagen? Darf ich noch mitspielen?“ usw. An Einschlafen ist bei solchen Sorgen nicht zu denken. Auch Eltern dürfen darauf vertrauen, dass Zuhören (ohne Bewerten) oft schon reicht. Und wenn Kinder nachfragen, ob etwas gut oder richtig, falsch oder böse war, dann wünsche ich den Eltern, die Worte zu finden, die deutlich machen, dass wir alle Menschen sind, die Fehler machen, die lernen und die Dinge unterschiedlich sehen und handhaben. Dass alles, was wir erfahren, uns hilft uns weiterzuentwickeln.

 

Das Richtige lesen

Das Richtige lesen

Älteren Kindern wird beim Zubettgehen oft noch erlaubt zu lesen. Grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden. Allerdings sollten Eltern, deren Kinder schlecht einschlafen können, bei der Auswahl der Lektüre behilflich sein. Romane beispielsweise können sehr nachteilig sein, insbesondere wenn es heißt: Noch ein oder zwei Kapitel! Romanschriftsteller arbeiten mit sogenannten Cliffhangern, das sind Stilelemente, die die Spannung in einer Geschichte am Kapitelende aufrecht erhalten.

Auch hier lohnt es sich , die Zeit, die Ihr mit dem Verhandeln über die Dauer des Lesens verbringt und den Ärger über schlafunwillige Kinder durch eine 20 minütige Fantasiereise zu ersetzen, deren Verlauf Ihr so steuert, dass das Kind am Ende einschlafen kann, um weitere wunderschöne Bilder im Traum fortzuspinnen. Die Kinder nehmen dieses Angebot gerne an, weil es ein unglaublich tolles Erlebnis ist, in sich hineinzusehen und den inneren Reichtum an Bildern zu erfahren.

Anregungen für diese Reisen geben die Hörbücher mit den Gute-Nacht-Meditationen für Kinder, die auch dann eingesetzt werden können, wenn Eltern einmal nicht selbst die Zeit oder Muße dafür finden. Die Hörbücher sind in Dauer, Thema, Sprache, Bildern bis hin zur Verpackung den Bedürfnissen von Kindern angepasst.  Jede CD widmet sich zudem einem speziellen Thema, zum Beispiel „innere Ruhe“, „Macht“ oder „Vertrauen“.